„Sverige igen …“
Sverige igen – wieder Schweden!
Obwohl die schwedische Marine historisch gesehen nie eine riesige Flotte besaß, gibt es hier eine beeindruckende Anzahl liebevoll restaurierter Museumsschiffe zu entdecken. Da wir längst noch nicht alle gesehen haben, war schon länger klar, dass es dieses Jahr wieder nach Schweden geht.
- Das U-Boot ‚U3‘ in Malmö
Von Schleswig-Holstein aus ist das Land mit dem Auto und der Fähre unkompliziert und schnell erreichbar. Unsere Reise begann am Abend in Travemünde, von wo aus wir mit der Nachtfähre nach Malmö übergesetzt sind. Unser erstes Ziel war das Technik- und Seefahrtsmuseum vor Ort. Das dortige U-Boot U3 ist eines von ehemals neun U-Booten der U1-Klasse (auch Coastal-Klasse genannt), das mitten im Zweiten Weltkrieg in Dienst gestellt wurde. Die Klasse gilt als historischer Meilenstein in Schweden, da diese Baureihe die erste vollständige U-Boot-Eigenproduktion mit einem komplett geschweißten statt genieteten Druckrumpf war. Übrigens habe ich selten ein Boot erlebt, das wegen der engen und dunklen Verhältnisse an Bord so schwierig zu fotografieren war. Eine echte Herausforderung …
Am Nachmittag machten wir zunächst einen Zwischenstopp an der Zitadelle Landskrona. Die im 16. Jahrhundert von König Christian III. von Dänemark erbaute Festung gehört mit ihrem mächtigen, intakten Doppel-Wassergraben zu den am besten erhaltenen Renaissance-Zitadellen Skandinaviens.
- Karlskrona & das Marinemuseum
Nach einer ausgiebigen Pause ging es weiter in das ca. 200 km entfernte Karlskrona. Die Barockstadt mit ihrem großen Flottenstützpunkt und dem Marinemuseum war das Hauptziel unserer Reise. Vom aktiven Stützpunkt selbst ist allerdings recht wenig zu sehen, da dieser streng abgeschirmt ist. Auch von der historischen Werft (Gamla Varvet) ist so gut wie nichts zu erkennen. Aufgrund verschärfter Sicherheitsbestimmungen und der weltweiten Lage sind leider auch die früher angebotenen Führungen über das Gelände der Werft derzeit komplett ausgesetzt.
Da die Schiffsbewegungen jedoch recht zahlreich sind, lässt sich von der Bastion Kungshall beim Ein- und Auslaufen der eine oder andere „Beifang“ einfangen. Allerdings sind die Lichtverhältnisse selten optimal, da man direkt in Richtung Süden fotografiert. Und ganz wichtig: Auf keinen Fall in den eigentlichen Stützpunkt hineinfotografieren! Das Fotografieren von Militärgeländen (schwedisch: „Skyddsobjekt“) wird in Schweden tatsächlich rigoros geahndet.
Das Marinemuseum Karlskrona entschädigt dafür jedoch vollkommen, denn dort gibt es neben der umfangreichen Ausstellung gleich fünf Einheiten zu besichtigen: das Segelschulschiff HSwMS Jarramas (1900), das U-Boot HSwMS Hajen (1904), das Minensuchboot HSwMS Bremön (1940), das Flugkörperschnellboot HSwMS Västervik (1974) und das U-Boot HSwMS Neptun (1980).
Die beiden schwedischen U-Boote werden in einer spektakulären, eigens dafür errichteten U-Boot-Halle präsentiert. Im Vergleich zur U3 in Malmö war es hier zwar etwas weniger eng, durch die stimmungsvolle, aber sehr spärliche Beleuchtung der Ausstellungshalle jedoch nicht weniger dunkel und damit fototechnisch wieder sehr anspruchsvoll. Während das erste U-Boot in der schwedischen Geschichte, die Hajen, nur von außen bestaunt werden darf, kann die Neptun auch betreten werden. Dieses noch relativ junge Boot bildet das absolute Highlight der Halle. Die Neptun gehörte zur Näcken-Klasse, hat zwei Decks und stand von 1980 bis 1998 im aktiven Dienst der schwedischen Marine. Berühmt wurde das Boot vor allem im Jahr 1981, als es während des dramatischen „Whiskey on the Rocks“-Zwischenfalls die Unfallstelle des gestrandeten sowjetischen U-Boots U-137 in den Schären vor Karlskrona absicherte. Die weiteren Schiffe liegen außen vor dem Museum an den Museumspiers, wo man sich problemlos an Oberdeck umschauen kann. Wer sich an Bord der Bremön und Västervik jedoch auch unter Deck umsehen möchte, muss unbedingt während der Sommer-Hochsaison da sein, die in Schweden üblicherweise von Anfang Juni bis Mitte August geht.
Wer in Karlskrona eine ganz besondere Übernachtungsgelegenheit sucht, sollte wie wir, in das ehemalige Marineuntersuchungsgefängnis (Kronohäktet) gehen. Es liegt auf der kleinen Insel Stumholmen nur wenige Meter vom Marinemuseum entfernt und wird heute als Hostel betrieben, bei dem man stilecht in umgebauten, ehemaligen Gefängniszellen schläft. Da die gesamte Insel früher ein Marinegelände war, sind dort noch viele weitere historische Gebäude erhalten geblieben.
- Ausflug nach Aspö
Einen Tag haben wir auf der Insel Aspö verbracht. Dort befindet sich das KA2-Museum (Kustartilleriregemente 2 – Karlskrona) für mobile Küstenartillerie mit seiner tollen Ausstellung. Das Regiment war von 1902 bis 2000 in und um Karlskrona aktiv, auf Aspö stationiert und bewachte die strategisch wichtige Basis der Marine. Bei der Gelegenheit haben wir uns auch das Kastell Drottningskär angesehen (leider bei Regen). Dieses stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und gilt als eine der bedeutendsten und am besten erhaltenen Seefestungen Schwedens. Die 25-minütige Überfahrt mit der Fähre vom Handelshamnen in Karlskrona ist übrigens komplett kostenlos, sogar mit dem Auto.
- Rückweg über Dänemark
Am Ende der Woche ging es mit ein paar schönen Zwischenstopps wieder zurück nach Malmö. Ein kleines Highlight war noch der Halt in Kåseberga an der Südküste Schwedens, wo wir oben an den Klippen bei den berühmten Wikingersteinen von Ales Stenar den Gleitschirmfliegern zugeschaut haben. Auf dem Rückweg am darauffolgenden Tag ging es schließlich über die Öresundbrücke nach Dänemark und nach einem Halt im Koldkrigsmuseum Stevnsfort weiter zur Fähre Rødby – Puttgarden.
- Fazit
Vom Charakter und der Atmosphäre her ist Karlskrona durchaus mit Den Helder oder Portsmouth vergleichbar. Alle drei Städte haben eine faszinierende Geschichte, viele historische Gebäude, ein großartiges Marinemuseum und vor allem jede Menge interessante Schiffe. Ein erneuter Besuch ist jedenfalls mehr als wahrscheinlich – dann aber mitten in der Hauptsaison. Immerhin bleibt noch einiges zu erleben. Wir möchten die Stadt bei einer Hop-on-Hop-off-Bootstour vom Wasser aus erkunden, das historische Fort Kungsholmen besichtigen und natürlich auch noch einen Blick unter Deck der Museumsschiffe werfen.
Beifang 😉
Links intern
- MS ‚Arholma‘ Klasse
- SS ‚Näcken‘ Klasse
- SS ‚U1‘ Klasse
- U-Boot HSwMS ‚Hajen‘
- Segelschulschiff ‚Jarramas‘
Links extern
- Marinemuseum Karlskrona (offizielle Seite)
- Museum für mobile Küstenartillerie (offizielle Seite)
- Technik- und Seefahrtsmuseum Malmö (offizielle Seite)
Reisebericht aus Schweden
Endlich Schweden … nach dem eine Reise nach Stockholm schon sehr, sehr lange von mir geplant wurde und aus den verschiedensten Gründen immer wieder verschoben werden musste, war es in diesem Jahr endlich so weit. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit erst Ende August oder noch später zu fahren, wurde es diesmal berufsbedingt deutlich früher im August. Wie zu erwarten war es daher fast überall ziemlich voll, unter der Woche jedoch noch gut auszuhalten. Dazu gab es bestes Wetter mit mehr als sommerlichen Temperaturen. Die An- und Abreise erfolgte mit einem Nachtzug der Schwedischen Bahn (Hamburg – Stockholm). Genau wie bei der Deutschen Bahn gab es auch hier immer mehr Fahrzeit als man bezahlt hatte, sprich es kam zu reichlich Verspätungen. Wer das kleine Abenteuer sucht, ist hier genau richtig … ;)
Primäres Ziel war natürlich das Vasa-Museum mit Schiff und Ausstellung. Die Galeone ‚Vasa‘ wurde 1628 in Dienst gestellt, ist ca. 61 Meter lang und verfügt über zwei Batteriedecks mit 64 Kanonen. Auf ihrer Jungfernfahrt sank sie aufgrund von Stabilitätsproblemen bereits nach nur wenigen hundert Metern. Im Jahr 1961 wurde das Wrack sowie jede Menge Fundstücke geborgen. Es folgte eine jahrelange Konservierung und der Bau eines neuen Gebäudes über ein altes Trockendock um einen endgültigen Liegeplatz für die ‚Vasa‘ zu schaffen. Nicht ohne Grund soll das Museum das meistbesuchte in Skandinavien sein. Vor einem Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert zu stehen war einfach überwältigend. Natürlich kann so ein einmaliges und altes Schiff leider nicht betreten werden. Aber auch so war der erstaunlich gute Zustand, die immense Größe des Schiffes, die prachtvollen Verzierungen und die tolle Ausstellung wirklich beeindruckend. Allein für dieses Erlebnis kann sich die Reise schon lohnen!
Direkt in der Nähe liegen noch die Museumsboote des Seehistorischen Museums. Dazu gehören das Feuerschiff ‚Finngrundet‘, der Eisbrecher ‚Sankt Erik‘, das Dampfschiff HSwMs ‚Sprängaren‘ und der Minensucher ‚M 20‘. Insbesondere die ‚Sprängaren‘, eines von ehemals drei Minensuchbooten der ‚Sökaren‘ Klasse fand ich sehr spannend. Das Schiff wird von einer Zweizylinder-Verbunddampfmaschine angetrieben und war von 1918 bis 1962 in Dienst. Im Jahr 1961 war sie mit an der Bergung der Galeone ‚Vasa‘ beteiligt. Nach einer gründlichen Überholung der Maschine ist die ‚Sprängaren‘ seit 2022 wieder seetüchtig und unternimmt auch Ausflugsfahrten in die Stockholmer Schären. Bei unserem Besuch wurde bereits seit Tagen der Kessel für eine solche Tour vorgeheizt. Trotzdem war eine Besichtigung im Maschinenraum möglich und die freundlichen Mitarbeiter haben gerne und ausführlich Auskunft gegeben.
Das Torpedoschnellboot T 121 ‚Spica‘ ist entgegen einiger Aussagen im Internet dort nicht (mehr) zu finden.
Möglicher „Beifang“ findet sich u. a. auf der Insel Beckholmen bei Djurgården (5 Minuten Fußmarsch von der Anlegestelle „Allmänna gränd“ – Fährlinie 80 und 82). Dort inmitten der Werft mit ihren drei Trockendocks gibt es einen kleinen Wanderweg auf einen Hügel von wo aus man einen tollen Blick rund um das Werftgelände hat. Als Alternative bietet sich eventuell auch das gegenüberliegende Ufer als Fotostandort an. Neben drei kleineren Marineschiffen (Schlepper, Stridsbåt 90, HSwMS ‚Loke‘) haben wir dort auch etwas versteckt die HSwMS ‚Bremön‘ (Minensucher der ‚Arholma‘ Klasse) gefunden. Diese liegt normalerweise als Museumsschiff in Karlskrona, war hier aber wie im Vorfeld angekündigt zur Überholung. Fotos gelangen schließlich mithilfe der Fährlinie 80. Tipp: gleich für bis zu drei Tagen eine Dauerkarte für alle Öffis inklusive Fähren erwerben.
Im Übrigen ist Stockholm – auch abseits von Marineschiffen – eine tolle Stadt, in der es viel zu entdecken gibt. Das Vasa-Museum kann ich selbstverständlich auch „Nicht-Schiffsliebhaber“ vorbehaltlos empfehlen. Vielleicht sind das ja gleich zwei gute Argumente, um die Partnerin oder den Partner von einer Reise dorthin zu überzeugen ;)
Links intern
Links extern
- Das Vasa Museum (offizielle Seite)
- Seehistorisches Museum (offizielle Seite)
„Historisches“ aus Schweden
Heute gab es im Nord-Ostsee-Kanal ein ganz besonderes Segel-Schiff zu beobachten. Das 58,5 Meter lange (L.ü.a.) Vollschiff ‚Götheborg‘ (III) war auf dem Weg von Hamburg nach Göteborg, wo es am 04. Juni, rechtzeitig zur 400-Jahr-Feier der Stadt, zurückerwartet wird.
Die ‚Götheborg‘ (III) ist nicht irgendein Segel-Schiff, sondern die Nachbildung des Ostindienfahrers ‚Götheborg‘ (I) der schwedischen Ostindien-Kompanie von 1738 (gesunken 1745). Ostindienfahrer waren bewaffnete Schiffe, die damals speziell für die langen Reisen und den Handel mit Asien ausgerüstet wurden. Auch auf dem 1995 auf Kiel gelegtem Nachbau befinden sich noch zehn Kanonen. Das Schiff hat seinen Heimathafen (natürlich) in Göteborg und unternimmt regelmäßig längere Touren durch Europa oder dem Mittelmeer. Von 2005 bis 2007 gab es sogar eine Reise entlang der historischen Route bis nach China. Neben einer Stammbesatzung von 20 Seeleuten können bis zu 60 Gäste mitsegeln und mit anpacken.
Links intern
Ostindienfahrer ‚Götheborg‘
Ostindienfahrer
Links extern
GötheborG of Schweden (offizielle Seite)

































